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Landesarbeitsgemeinschaft der Jugendaufbauwerke in Schleswig-Holstein gegründet

14 Bildungseinrichtungen des Jugendaufbauwerks Schleswig-Holstein gründeten am 24.02.2017 im Beisein des Ministeriums für Schule und Berufsbildung die Landesarbeitsgemeinschaft der Jugendaufbauwerke in Schleswig-Holstein e.V.

Das Jugendaufbauwerk Schleswig-Holstein wurde 1949 als Antwort auf die Herausforderung, eine Vielzahl von Flüchtlingen in der Nachkriegsgesellschaft zu integrieren und für sie ein berufliches Versorgungsangebot zu etablieren, gegründet. Nachfolgend entwickelten sich die Einrichtungen des Jugendaufbauwerkes immer stärker zu einem Instrument der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit mit einem breiten Portfolio aus Beratungs-, Begleit- und Qualifizierungsangeboten, die teils präventiv den Übergang von Schule in Beruf erleichtern sollten und sollen. Die Gesellschaft steht heute wieder vor der Aufgabe der Integration von Flüchtlingen in unsere Gesellschaft.

Auf Grundlage einer in 2014 durchgeführten Struktur- und Wirkungsanalyse im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein wurde empfohlen, eine Landesarbeitsgemeinschaft zu gründen. Die Landesarbeitsgemeinschaft sollte mit dem Ziel seitens des Landes, das Jugendaufbauwerk als wichtigen und zentralen Partner und Umsetzer bei der Bewältigung der Aufgabe, jungen Menschen eine Perspektive auf Ausbildung und Arbeit zu geben, gegründet werden. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Jugendaufbauwerke LAG JAW e.V. sichert zukünftig die Voraussetzung, Arbeitsmarkt- und berufliche Integrationspolitik landesweit umzusetzen.

„Die Einrichtungen im Jugendaufbauwerk sind somit fester Bestandteil der schleswigholsteinischen Geschichte und auch nach 68 Jahren ein unverändert wichtiges Instrument der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik unseres Landes.“ so Frau Dr. Stenke, Abteilungsleitung Berufliche Bildung im Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein, auf der Gründungsversammlung im Ausbildungsverbund Kiel.

Zum Vorsitzenden wurde gewählt Reinhard Arens (Ausbildungsverbund Neumünster), stellvertretender Vorsitzender Hauke Brückner (Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern). Als weitere Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes sind Marcus Wack (JAW Steinburg), Hans Osbahr ( JobB GmbH in Ostholstein) und Rolf Radam (JAW Dithmarschen).

„Vor dem Hintergrund der Zuwanderung von jungen Menschen werden sich die
Einrichtungen der Landesarbeitsgemeinschaft der Jugendaufbauwerke in Schleswig-Holstein LAG JAW e.V. 2017 der beruflichen Bildung von jungen Flüchtlingen mit unsicherer Bleibeperspektive widmen, um gerade diesen jungen Menschen Hilfen, Angebote und Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.“ Reinhard Arens, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft.

Neumünster, 02.03.2017
Reinhard Arens

 

Gründungsversammlung Landesarbeitsgemeinschaft der Jugendaufbauwerke in Schleswig-Holstein e.V (LAG JAW Schleswig-Holstein e.V.)

v.l.: Frau Dr. Stenke, Herr Arens, Herr Brückner, Herr Osbahr, Herr Wack

  1. Februar 2017, 9.00 Uhr in Kiel, Gaardener Ring 3

Grußwort Frau Dr. Dorit Stenke, Abteilungsleitung Berufliche Bildung, Qualitätssicherung, IT im Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Sehr geehrter Herr Arens, sehr geehrte Damen und Herren, liebe JAW´ler,

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, bei Ihrer Gründungsversammlung der Landesarbeitsgemeinschaft JAW dabei zu sein und freue mich sehr, Ihnen die Glückwünsche des Ministeriums für Schule und Berufsbildung zu diesem Schritt der strukturellen Neuausrichtung zu überbringen.

Die gesellschaftlichen Anforderungen und Erwartungen insbesondere der Wirtschaft verändern sich rasant und zunehmend rascher. Die Aufgabe, junge Menschen nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren, bleibt. Der demografische Wandel und der zunehmende Fachkräftebedarf führen bisher nicht dazu, dass wesentlich mehr junge Menschen den direkten Weg von der Schule in eine Ausbildung wählen. Und dieser Übergang bleibt für Teile der Bevölkerung prekär. Sie zeigen mit Ihrer täglichen Arbeit, dass Sie gut aufgestellt sind, mit unterschiedlichen und mit sich verändernden Zielgruppen professionell umzugehen. Sie sorgen dafür, dass ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer im Mittelpunkt allen pädagogischen Handelns stehen.

Sie fördern die professionelle Haltung Ihrer Fachkräfte, Respekt und Freundlichkeit gegenüber den Teilnehmenden und das kollegiale Miteinander in einer sich stetig wandelnden Förderlandschaft. Dafür meine Anerkennung und mein Respekt.

Die von Moysies und Partner durchgeführte Wirkungs- und Strukturanalyse bescheinigt dem JAW eine gute Zusammenarbeit mit Auftraggebern, Partnern und Betrieben, insbesondere, wenn sie sich durch personelle Kontinuität auszeichnet. Und die bedarf einer guten Führung und Motivation! Eine gut entwickelte, bedarfsgerechte Personalqualifizierung ist aus Landessicht unverzichtbar für ein modernes Bildungsunternehmen.

Mit der LAG-Gründung setzen Sie hier einen Akzent, wie man an der Satzung gut erkennen kann. Das Ministerium wird Sie dabei auch weiter unterstützen.

Die Wirkungs- und Strukturanalyse beinhaltet konkrete Empfehlungen für einen Organisationsentwicklungsprozess mit mehreren Handlungsalternativen, zunächst mit Blick auf das Verhältnis zwischen dem Ministerium und dem JAW. An dieser Stelle bedanke ich mich, dass sich das JAW auch dieser Untersuchung gestellt und gut mit dem Ministerium zusammengearbeitet hat.

Sie haben sich im JAW-Verbund für das Modell einer Landesarbeitsgemeinschaft JAW entschieden. Diesen Schritt wollen Sie gehen und mit der heutigen Versammlung einen Verein gründen. Das ist konsequent, um den Bestand des Jugendaufbauwerks mittel- und langfristig zu sichern.

Bevor ich Sie in die Gründungsversammlung eintreten lasse, möchte ich ein sehr aktuelles Thema ansprechen. Im Dezember 1949 wurde das Gesetz über das JAW Schleswig-Holstein beschlossen. Mit dieser Initiative wollte die damalige Landesregierung Ausbildungschancen in einem Flächenland schaffen, in das nach dem zweiten Weltkrieg viele Flüchtlinge strömten. Damals hat sich die Bevölkerungszahl innerhalb von zwei Jahren fast verdoppelt. Die Gründung des JAW-Gesetzes zeigt, dass das Land handlungsfähig war, solche Strukturen aufzubauen!

Die Gründung des JAW war nicht nur eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme, sondern war auch von dem sozialpolitischen Bemühen geprägt, geflüchtete Menschen zu integrieren und Mädchen und junge Frauen vor Übergriffen zu schützen. Zum 50. Jubiläum im Dezember 1999 gab es 22 Einrichtungen unter dem Dach des JAW Schleswig-Holstein, heute besteht der JAW-Trägerverbund aus 18 Einrichtungen, die als autonome Organisationseinheiten auf unterschiedlichen Ebenen in Kooperationen tätig sind.

Rund 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereiten jährlich rund 3.000 Jugendliche in anerkannten Ausbildungsgängen und berufsvorbereitenden Lehrgängen auf die Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes vor. Im Rahmen des Handlungskonzepts PLuS und mit einer über 10-jährigen Routine arbeitet das JAW präventiv in engster Kooperation mit unseren Schulen an der Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit und für mehr erfolgreiche Eintritte in Ausbildung und Arbeit.

Und gerade in den vergangenen zwei Jahren arbeiten Sie wieder mit Flüchtlingen, jungen Menschen, die zum Teil ohne Familie vor Krieg und Elend hierher flüchten. Das scheint doch in der DNA des JAW verankert zu sein.

Die Einrichtungen im Jugendaufbauwerk sind somit fester Bestandteil der schleswigholsteinischen Geschichte und auch nach 68 Jahren ein unverändert wichtiges Instrument der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik unseres Landes. Welche Institution kann das von sich behaupten? Deshalb fördern wir die JAW-Einrichtungen jedes Jahr mit über 1.130.000 Euro für Investitionen. Und deshalb hat der Landtag kurzfristig beschlossen, eine Million Euro zur Betreuung von Flüchtlingen mit offener Bleibeperspektive im Jahr 2017 zur Verfügung zu stellen. Sie nehmen die Verantwortung an und haben sehr schnell reagiert. Das JAW steht bereit, die Betreuung dieser jungen Menschen zu übernehmen. Danke dafür. Die Anträge werden derzeit geprüft und Genehmigungen zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn sind in Vorbereitung.

Die heutige Gründungsversammlung unterstreicht nachdrücklich, dass Sie sich diesen Herausforderungen stellen. Es ist sehr zu begrüßen, dass Sie sich als Praktikerinnen und Praktiker einer Neujustierung widmen, die das Profil des JAW auch inhaltlich stärken wird und das JAW nach wie vor als wichtigen und in Schleswig- Holstein notwendigen Bildungsanbieter ausweisen wird. Damit beweisen Sie erneut die Leistungsfähigkeit Ihres Verbundes.

Darüber freue ich mich sehr und wünsche Ihnen auch zukünftig ein erfolgreiches Wirken und uns Allen weiterhin gute und erfolgreiche Zusammenarbeit.