Historie

Das JAW-Gesetz – zukunftsweisend…

Am 13.12.1949 erließ der schleswig-holsteinische Landtag das Gesetz über das Jugendaufbauwerk. Es galt, junge Menschen bis zum Alter von 21 Jahren, in Ausnahmefällen bis zu 25 Jahre durch aufbauende Arbeit zu versorgen. Das Gesetz und seine Intention waren eine Reaktion auf die vielen jungen Menschen, die aufgrund der Fluchtbewegungen aus den deutschen Ostgebieten Schleswig-Holstein überfluteten und integriert werden mussten.

Die Anfragen aus den Kreisen und Gemeinden an die Landesregierung und das Ministerium für Arbeit, Aufbau, Volksbildung waren zahlreich, dem steigenden Druck der Schulentlasszahlen zu entsprechen und für die Jugend des Landes ein berufliches Versorgungsangebot auf gesetzlicher Basis in Schleswig-Holstein zu schaffen. Die bereits bestehenden Einrichtungen in der Fläche des Landes (mit Ausnahme des Hamburger Randgebietes) sollten gesetzlich und finanziell abgesichert werden, um junge Menschen durch ein „Vorschaltjahr“

  • Gesellschaftliche Orientierung zu geben,
  • Sie sozial zu stabilisieren und sie
  • Beruflich zu prägen.

Es galt ferne, möglichen Verwahrlosungstendenzen in kriegsbedingt unvollständigen Familien und durch mangelnde Beschäftigung und Perspektive nach der Regelschule entgegenzuwirken. Im Hintergrund der Freiwilligen Jugendarbeit (FJA) stand ein funktionaler Erziehungsbegriff und ein damit verbundener Auftrag, der vorrangig den kommunalen Gebietskörperschaften als Trägern der Arbeit übertragen wurde, von denen die Initiative für eine zeitnahe berufliche Versorgung und Erziehung bei sozialer Integration und gesellschaftlicher Stabilisierung ausging.

Es galt jungen Menschen einen Anschluss an die Entwicklungen der Gesellschaft zu geben und ihnen eine Perspektive zu vermitteln, die ihnen der Arbeits- und Ausbildungsmarkt mangels Beschäftigungsmöglichkeiten so nicht geben konnte. Dabei ist der regionale Bezug (Träger der Arbeit) als besonders bedeutend im Gesetz herauszustellen.

Im Nachhinein betrachtet waren und sind die Regelungen des JAW-Gesetzes gerade immer so „modern“, wie es die jeweilige Zeit erforderte, so dass heute neben der traditionellen Berufsvorbereitung auch berufliche Teilqualifizierung, außerbetriebliche Ausbildung und qualifizierte Arbeitsverhältnisse jungen Menschen Chancen auf dem Arbeitsmarkt vermitteln können, ohne das Gesetz novellieren zu müssen.

Der Gesetzestext aus dem Jahre 1949 ermöglicht dem JAW heute, eine Vielzahl seinerzeit noch nicht bekannter bzw. noch nicht entwickelter Instrumente der Arbeitsmarktpolitik anzuwenden, wenn sie dem Zweck des Gesetzes, wie er in der Präambel formuliert wird, dienlich erscheinen. Folglich war auf der Grundlage und dem Geist dieses Gesetzes eine Entwicklung bis in die heutige Zeit möglich, wie wir jetzt als „qualitätsorientierte berufliche Bildungsarbeit für benachteiligte junge Menschen“ beschreiben. Dies ist ein Verdienst dieses Gesetzes und der mit ihm handelnden Personen.

Denn gerade die innovationsorientierte Finanzierung von Projekten und Initiativen auf der Basis des Gesetztes („nach Maßgabe des Haushaltes“) hat das JAW zu dem gemacht, was es heute ist, ein

  • Verbund moderner, flexibler und regionsbezogener Einrichtungen
  • Innovativer Marktführer in der beruflichen Bildung für benachteiligte junge Menschen
  • Betriebswirtschaftlich orientierter Verbund mit hohen Werthaltungen.

Das Gesetz über das Jugendaufbauwerk und die unter ihm mögliche und geleistete Arbeit beweist, rückblickend betrachtet, die Klugheit und die Modernität des Denkens des damaligen Gesetzgebers.

Quelle: 50 Jahre Jugendaufbauwerk Schleswig-Holstein, Herausgeber: „Der 50 Jahre Ausschuss im JAW“